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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Deutschlandurlaub - Rückblick

Unser erster Deutschlandurlaub gestaltet sich anfänglich schon sehr erlebnisreich.

Nach einem langen Flug werden wir eher unfreundlich durch den deutschen Grenzschutzbeamten abgefertigt. Wir warten aufgrund von Personalmangel über zwei Stunden auf unser Gepäck und treten dann raus ins winterliche Frankfurt. Es liegt sogar eine dünne Schneedecke und es ist sehr kalt.

Obwohl ich mir schon meine wärmsten Sachen angezogen habe, bin ich froh, dass ich mir in weiser Voraussicht einen warmen Daunenmantel bestellt habe.


Unser Haus in Schwäbisch Hall kommt uns so klein vor und es ist als wären wir nur eine Woche weggewesen. Das ist ein seltsames Gefühl. Selbst eine angefangene Weinflasche steht noch in der Küche.

Ich genieße unsere Badewanne und den Kaminofen und mein Kleiner ist begeistert von seinen ganzen Spielsachen. Mit den letzten Weihnachtsvorbereitungen und Treffen mit alten Freunden vergehen die ersten Tage schnell und Weihnachten naht. Am 23. Dezember packen wir unser Auto, das mein Mann sogar vorher noch in der Werkstatt beim TÜV hatte und fahren zu meinen Eltern auf die Schwäbische Alb. Leider ist auch hier kein Schnee mehr und so erleben wir die Winterweihnacht wie immer, kalt und verregnet. Mein Mann betont in Dauerschleife, dass er im Winter sicher nicht mehr nach Deutschland geht. Zum Glück fahren wir noch ein paar Tage nach Meran. Ohne ordentliches Schneeerlebnis möchte ich nicht zurück nach Delhi. Das war schließlich neben dem echten Tannenbaum und Weihnachten als Familienfest einer der Hauptgründe im Winter Deutschland zu besuchen. Das Weihnachtsgefühl in Delhi ist einfach nicht dasselbe.


Wir fahren auf der A6 und hören alte Weihnachtslieder: "I'm dreaming of a white Christmas. Just like the ones I used to know."

Das Original von Bing Crosby wurde schon 1947 veröffentlicht. Auch da gab es bemerkenswerterweise wohl schon die Sehnsucht nach verschneiten Weihnachten. Irgendwo hab ich gehört, dass es in Deutschland statistisch nur alle 10 Jahre weiße Weihnachten gibt. Schade, dass das nicht dieses Jahr ist.

Die Autobahn ist voll und durch die Baustellen ist der Verkehr zähfließend und stockend. Plötzlich geht unser Auto aus. Mitten auf dem rechter Spur stehen wir und bekommen das Auto nicht mehr an. Das Auto ist tot und selbst die Warnblinkanlage funktioniert nicht. Das ist gruselig. Da unser Auto eine Automatikschaltung hat, können wir nicht mal in den Leerlauf schalten, um es auf den Standstreifen zu schieben. Ich kontaktiere die Autobahnpoliziei. Deren erste Frage ist, ob ich noch in Baden-Württemberg oder bereits in Bayern bin. Was mich völlig überfordert. Als wäre es Allgemeinwissen zwischen welchen Käffern die Landesgrenze verläuft. Mein Mann ist auch keine Hilfe. Endlich klärt sich, dass die bayrische Polizei zuständig ist. Danach kontaktiere ich noch den Abschleppdienst. Natürlich haben wir unsere langjährige, nie benötigte ADAC Mitgliedschaft vor unserem Auslandsaufenthalt gekündigt. So ein Mist. Aber das ist wie mit dem Regenschirm. Hat man ihn dabei, regnet es sicher nicht. Aber wehe man hat ihn zu Hause vergessen, dann regnet es in den 2 Minuten vom Auto bis zur Schule garantiert.


Mein Mann leitet tapfer den Verkehr um uns herum. Zum Glück war der vorher auch schon langsamer unterwegs. Trotzdem staut sich hinter uns eine Autoschlange an. Als die Polizei ankommt, haben wir bereits einen Stau bis Crailsheim verursacht. - Ich war noch nie für einen Stau verantwortlich. Das ist ein komisches Gefühl. Mitleidig schauen uns die Insassen aus den vorbeifahrenden Autos an. - Die beiden netten Polizisten sichern unser liegengebliebenes Fahrzeug ab. Über ein YouTube Tutorial versuchen sie meinen Mann zu instruieren, wie man die Gangschaltung entriegeln und manuell in den Leerlauf schalten kann. Es gibt einen neongelben Stift, mit dem das wohl irgendwie geht. Mein Mann rüttelt an dem Stift und da er oben zwei Laschen hat, zieht er schließlich daran und hat den Stift prompt in der Hand. Irritiert betrachtet er den Plastikstift in seiner Hand. Die Gangschaltung ist trotzdem nicht entriegelt und der Polizist meint kurz darauf, dass der Stift reingedrückt werden müsste. Was nun auch nicht mehr möglich ist.

Die Szene ist so absurd, dass ich an Phoebe aus der Serie Friends denken muss, die verzweifelt versucht ihren penetrant piependen Feuerlöscher per Knopfdruck zu deaktivieren. Leider hat sie ihn vorher schon in ihrer Wut und Verzweiflung in seine Einzelteile zerlegt, so dass das Drücken des isolierten Knopfes natürlich nicht mehr funktionieren kann.

Nach einer Stunde oder mehr kommt schließlich der lang ersehnte Abschleppdienst. Der Mechaniker regt sich mit seinem Kollegen darüber auf, dass wir bereits selber versucht haben, die Gangschaltung zu entriegeln. Nachdem ich ihm mitteile, dass wir von der Polizei dazu angehalten wurden, weil die doch ein YouTube Tutorial gekuckt hat, meint er nur trocken: "Das ist nix."

Ja, das wissen wir jetzt auch.

Wir werden samt Auto auf den Anhänger geladen und von der Autobahn in die Werkstatt gefahren. Das ist sehr abenteuerlich. Hoch oben auf dem Anhänger wankt das Auto doch bedenklich zur Seite in jeder Kurve. Etwas panisch weist mein Sohn uns an, unsere Oberkörper auf die entgegengesetzte Seite der Fliehkraft zu verlagern, damit das Auto nicht herunterfällt. Ich muss ihm mehrmals versichern, dass das Auto gesichert ist. In der Werkstatt stellt sich dann heraus, dass der Pluspol der Batterie locker war. Die Batterie ist in der Werkstatt aber erst getestet worden. Wahrscheinlich hat der Mechaniker bei diesem Testvorgang den Pluspol nicht ganz festgezogen. Der Spaß hat uns neben drei Stunden Wartezeit auch noch über 300 Euro Abschleppgebühren gekostet. Wenigstens war es nichts Schlimmeres, so dass unser Urlaub in Meran nicht gefährdet ist.

Letzten Endes kommen wir nach diesem Fiasko doch noch wohlbehalten bei meinen Eltern an, die uns sehnsüchtig erwartet haben. Hier verwöhnt uns meine Mama mit deutscher Hausmannkost und selbstgebackenen Plätzchen und ich genieße den echten Tannenbaum.







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