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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Zwischen Himmel und Hölle


Koh Chang ist eine Insel ganz im östlichen Golf von Thailand. Die Anreise ist etwas aufwendiger. Zuerst fliegt man nach Bangkok, um von dort nach Trat weiterzureisen. Das ist eine vierstündige Autofahrt. Von Trat geht die Fähre nach Koh Chang. Daher ist die Insel noch ursprünglicher. Jetzt Ende der Saison im März ist Koh Chang nicht von Touristen überlaufen und unser Strand im Süden ist nur wenig besucht.


Wir sind in einem kleinen Resort am westlichen Ende des Strandes. Die Anlage und der Strand sind sehr idyllisch und der Ausblick auf die vorgelagerten Inseln im Meer ist paradiesisch.

Sofort zieht es uns ans Wasser und während mein Mann noch eincheckt, stehen mein Sohn und ich schon barfuß in den seicht anbrandenden Wellen.

Vollkommen unbedarft nehmen wir die winzigen kleinen schwarzen Fliegen kaum war, die sich auf unsere ungeschützten nackten Waden setzen, zu sehr sind wir auf die typischen Moskitos geeicht. Erst später, als wir auf einmal furchtbar juckende Stiche feststellen, wird mir klar, dass diese wohl von den winzigen Fliegen stammen müssen.


Am nächsten Tag haben wir aufgrund unserer Unerfahrenheit erneut Kontakt mit den kleinen unscheinbaren Biestern. Sie landen in Scharen auf der ungeschützten Haut und weil man das gar nicht spürt, merkt man erst zu spät, dass man bereits gebissen wurde. Die Stiche jucken höllisch und es ist praktisch unmöglich nicht zu kratzen. Es ist nicht zu fassen, dass ein solch winziges Insekt einen so verheerenden Stich verursachen kann. Ich recherchiere und finde heraus, dass wir Sandfliegen zum Opfer gefallen sind. Ich habe 35 Stiche davongetragen. Die nächsten Tage bin ich regelrecht panisch und verlasse unsere sichere, klimatisierte, sandfliegenfreie Hütte nur, nachdem ich großzügig Insektenspray aufgetragen habe. Ohne das Insektenspray verlasse ich die Hütte nicht und weil mir die Tropen auch noch auf den Darm schlagen, ist meine Urlaubsfreude doch etwas eingeschränkt. Dabei hatten wir wohl noch Glück. Andere Urlauber haben teilweise so viele Stiche, dass sie unzählbar sind. Die Hauptverkaufsschlager der hiesigen winzigen Apotheke sind Kortisonsalbe und Insektenrepellents. Ich wundere mich, warum in unserem Resort nirgends ein Warnschild ist, dass auf die Sandfliegen hinweist. Aber wahrscheinlich, gehören sie so zum Alltag der Thais, dass diese sie nicht mehr erwähnenswert finden. Für die Gäste sind sie eine Plage und nur durch immensen Insektenspraykonsum und lange Kleidung in den Griff zu bekommen.


Direkt am Strand kann man sich massieren lassen. Und weil ich mich so leidend fühle, probiere ich den Massageservice aus. Ich bin zwar etwas skeptisch, wie dort in aller Öffentlichkeit meine Intimssphäre gewahrt werden soll, aber eine Rückenmassage für nur 300 Baht kann man sich schließlich nicht entgehen lassen. Natürlich habe ich zuvor sicherheitshalber Insektenspray aufgetragen. Ich lege mich im Badeanzug auf die Liege und werde mit einem Tuch zugedeckt, das meine Intimsphäre sicherstellt. Dann klettert meine Masseurin auf die Liege und drückt von den Füßen nach oben wandernd meine Muskeln mit ihrem Gewicht platt. Am Brustkorb presst sie sämtliche Luft aus mir, sodass ich tatsächlich Atemnot bekomme und merke, wie mein Kopf rot wird. Das ist eher quälend und hat nichts mit Entspannung zu tun. Ich frage mich, ob es ein Fehler war, die Massage gebucht zu haben. Während ich überlege, ob ich was sagen soll, drückt sie so kräftig und lange in meinem Brustwirbelbereich, dass sich sogar die eine oder andere Blockade löst. Das beeindruckt mich dann doch und ich ergebe mich leidend in mein Schicksal. Später beginnt sie Öl aufzutragen und bei der sanften Brise des Meeres, im Schatten der Bäume und der akustischen Kulisse des Wellenrausches kann ich mich jetzt doch noch entspannen. Die Massage geht über eine Stunde und danach fühle ich mich zwar etwas zerdrückt, aber trotzdem auch gelöst und entspannt.


Es ist heiß in Thailand. Die tropische Hitze ist drücken und ein kleiner Spaziergang am Strand kommt mir eher wie ein Gewaltmarsch vor. Das Meer ist an unserem Strand so warm, dass ich kein Bedürfnis habe, darin zu baden, da es keine Abkühlung verspricht. Ich wundere mich, dass es überhaupt noch Leben darin gibt, so heiß kommt mir das Wasser vor. Einzig der Pool im Nachbarresort verschafft uns eine Erfrischung.


Wir erkunden auf dem Roller die Gegend und entdecken eine kleine Pizzaria mit echtem Steinofen. Mein Sohn ist begeistert. Gute Pizza ist in Delhi schwer zu bekommen und so freuen wir uns über den glücklichen Zufall. Das Rollerfahren macht richtig Spaß und durch den Fahrtwind ist es auch nicht so heiß. Vielleicht kaufen wir uns doch noch einen Roller in Delhi. Wie in Delhi ist es auch in Thailand kein Problem, zu dritt auf dem Roller zu fahren. Mein Sohn vorn, dann mein Mann als Fahrer und ich hinten.


Das nächste Dorf ist Bang Bao, ein Fischerdorf, das auf Stelzen gebaut ist. Man geht den schmalen Pier vor. Links und rechts sind Souvenirläden und Restaurants. Ab und zu muss man einem Moped ausweichen, das den schmalen Steg entlangdüst. Als Snack gibt es gegrillten Tintenfisch am Spieß, der zwei Meter weiter noch lebendig in großen Wannen zu beobachten ist. Es gibt niedliche Cafés und ich genieße einen eisgekühlten Coconut Café zur Erfrischung.

Hier auf Koh Chang kann man mit Elefanten baden. Das ist ein einmaliges Erlebnis, das wir unbedingt mitmachen wollen. Am Kai Bae Beach etwas nördlich gibt es ein Elefantencamp. Dort werden einige Elefanten gehalten und die Bedingungen entsprechen etwa denen im deutschen Zoo. Wir kaufen für unseren Elefanten einen Beutel grünen Bananen und begeben uns zum Strand, wo der Elefant samt seinem Trainer schon wartet. Es sind Jungtiere, die gut dressiert sind. Natürlich riecht der Elefant die Bananen im Beutel und versucht sie, sich selbst mit seinem Rüssel herauszuangeln. Mein Kleiner kommt mit dem Füttern kaum hinterher. Der Trainer gibt dem Elefanten das Kommando, sich ins Wasser zu legen, sodass wir ihn mit einer Bürste bearbeiten können. Da er aber bereits vorher im Meer war, ist er gar nicht schmutzig und das Waschen macht wenig Sinn. Mein Sohn darf auf dem Elefanten sitzen und natürlich post der Elefant mit hochgerecktem Rüssel, damit wir auch schöne Erinnerungsfotos bekommen. Trotz allem ist das Ganze ein besonderes Erlebnis. Wann hat man sonst schon die Gelegenheit, so mit einem Elefanten zu agieren?

Wir treffen viele andere Deutsche in unserem Resort. So ergeben sich interessante Gespräche und ein wenig das Gefühl als wären wir in Italien im Urlaub. Was durch den allabendlichen Besuch in der Pizzaria noch verstärkt wird. Nur das viel zu warme Meerwasser und das Elefantenerlebnis gibt es in Italien nicht und bestimmt auch nicht so fiese Sandfliegen. Zumindest sind mir die in unseren unzähligen Italienurlauben nie begegnet.

Mein Mann meint beim Lesen dieses Artikels, dass Koh Chang zu schlecht wegkommen würde und ich ja schon ganz schön verwöhnt sei, wenn ich das gute thailändische Essen und das Tropenparadies so wenig zu schätzen wüsste. Ganz unrecht hat er damit wahrscheinlich nicht.

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