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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Das Beste aus zwei Welten

Heimaturlaub bedeutet fünf Wochen Deutschland im Sommer und damit eigentlich zur besten Jahreszeit. Ich freue mich auf den Wald, die Wiesen und deutsches Essen.


Wir verlassen Delhi im regnerischen Wetter des nahenden Monsuns. Das macht den Abschied leicht. Die Reise läuft wie am Schnürchen obwohl wir noch Mitzi mit dabei haben. Nur die Dinosaurierfiguren meines Sohnes dürfen nicht mit. Laut Sicherheitsbeamten, mit dem ich mich darum streite, könnte man damit ja jemanden ins Auge piken. Das kann ich mit meinem Finger auch, denke ich mir, und gebe die sinnlose Diskussion frustriert auf.

In Deutschland empfängt einen zur Abwechslung ein freundlicher Bundespolizist am Grenzübergang und das Wetter ist sonnig und richtig heiß. Wir sitzen nach dem Flug in einer Pizzaria gleich gegenüber des Frankfurter Flughafens. Die großen Glastüren der Pizzaria sind geöffnet und innen ist es so heiß, dass ich ständig das Bedürfnis habe, darum zu bitten, die nicht vorhandene Klimaanlage anzumachen.


In Schwäbisch Hall empfängt mich die süddeutsche, heimelige Spießigkeit. Natürlich ist alles sehr geordnet und sauber. Ich genieße das, die Sauberkeit und den sommerlichen, frischen Geruch nach Wiese. Tatsächlich macht mich der Geruch richtig sentimental. Ich hatte jetzt nach zwei Jahren doch Heimweh. Die Temperaturen sind angenehm und trotz des schönen Wetters natürlich lange nicht so heiß wie in Delhi. Das ist eine willkommene Abkühlung.


Ich kaufe täglich frische Himbeeren und freue mich über den günstigen Preis von ein paar Euro. In Delhi müsste ich 15 Euro pro Schälchen zahlen und das ist es mir dann doch nicht wert. Dafür verschmähe ich jetzt die Bananen, Mangos und anderes exotisches Obst in Deutschland, das hier natürlich deutlich teurer ist als in Indien und lange nicht so gut schmeckt. Ich genieße die Erdbeeren und den weißen Spargel der ausgehenden Spargelsaison. Meine Mama bereitet Sauerbraten mit Klößen zu und ich backe Rharbarberkuchen. Morgens holen wir beim Bäcker frische Brötchen und kaufen leckere Wurst beim Metzger. So schwelgen wir in den Köstlichkeiten der deutschen Küche und um uns diese auch in Delhi zu erhalten, kaufe ich ein deutsches Kochbuch in englischer Sprache für unseren Koch.

In unserem kleinen Reihenendhäuschen habe ich zwar Urlaub von der Schule aber nicht von der Hausarbeit. Schnell holt uns der Alltag ein, der durch Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Putzen, Bügeln, Müll fachgerecht entsorgen und Papierkram erledigen geprägt ist. Das ist nicht wirklich erholsam. Ich vermisse unseren Koch und unsere Putzfrau. Unser Fahrer schickt uns Grüße über WhatsApp. Es rührt mich, dass er den Kontakt sogar über die Ferien aufrecht erhält.


Morgens, während ich unter dem triefeligen Wasser unserer Dusche stehe, überlege ich, ob der Wassersruck in unserem Haus immer so schlecht war. In Delhi unter unserer Regendusche haben wir 1A Wasserdruck, weil sämtliche Wassertanks auf den Dächern der Häuser installiert werden. Das finden auch die Affen toll. Die ab und an einen der Tanks öffnen und daraus trinken.

Während ich in Deutschland unsere Badewanne für ein entspannendes Bad genießen kann, genieße ich in Delhi den Massageservice, den man sich so einfach nach Hause ordern kann.

Dabei ist die Badewanne wohl die günstigere Entspannungsmethode. Diese ist in Delhi selbst bei Vorhandensein einer Badewanne schwer zu realisieren, weil die Warmwasserboiler von ihrem Volumen nicht zur Befüllung einer Badewanne ausreichen und man dann meist nur in einer Pfütze sitzt.


Noch entspannender ist der Tag im Mawell. Das ist ein schönes Spa mit Saunalandschaft im beschaulichen Langenburg.

Das Kontrastprogramm bieten wir unserem Kleinen und besuchen Spaßbäder mit Wasserrutschen. Ein schönes Bad zu finden ist in Delhi eigentlich nicht möglich. Außer man bucht sich in einem teuren Hotel ein. Ansonsten ist das höchste der Gefühle ein viereckiges Becken, in dem das Wasser sauber ist. Viel Ambiente hat man dabei nicht. Daher empfinden wir die Bäder in Deutschland als echten Luxus.

Leider sind wir mittlerweile so von der Wärme verwöhnt, dass uns das Wasser doch sehr frisch vorkommt. Nur im Thermalbad sind die Wassertemperaturen annehmbar.


Wir treffen uns mit alten Verwandten und Bekannten und stellen bald fest, dass wir den deutsche Alltag nicht mehr teilen. Die meisten unserer Verwandten und Bekannten können sich unser Expatleben nicht vorstellen, selbst wenn wir davon erzählen. Das ist ein komisches Gefühl in einer anderen Welt zu leben, die man nicht mehr teilt. Ich vermisse meine Freundin in Delhi.


Zum Abschluss kaufe ich mir noch ein Dirndl, damit ich auf das nächste Botschaftsevent auch in angemessener Kleidung gehen kann. Seit wir im Ausland leben, bin ich irgendwie noch traditioneller geworden. Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, ein Dirndl zu tragen. Meine Mama ist glücklich. Sie hat mir als Kind schon gerne ein Dirndl angezogen.

Das Wetter wird immer schlechter und so wie uns der Regen in Delhi verabschiedet hat, verabschiedet uns nun auch der Regen in Frankfurt nur mit deutlich unangenehmeren Temperaturen. Die paar Wochen in Deutschland vergingen wie im Flug und so treten wir unsere Rückreise nach Delhi mit ein paar leckeren Trüffelpralinen im Gepäck an, denn gute Schokolade ist in Delhi auch nicht gerade günstig.



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