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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Der Inder und sein Auto

Wie vieles Andere scheint auch die Beziehung des Inders zu seinem Auto eine andere zu sein, als ich das aus Deutschland kenne.

Der Deutsche liebt sein Auto. Das bestätigt auch eine Umfrage, die in der „FAZ“ 2020 zitiert wird. Das Auto wird gehegt und gepflegt. Das bestätigt meine eigene Erfahrung mit der unendlich langen Warteschlange vor der Autowaschanlage jeden Samstag. Das Auto ist Statussymbol und Fortbewegungsmittel zugleich. Das sieht man daran, wieviel Geld der Deutsche bereit ist, für sein Auto auszugeben. Laut FAZ macht es viele Deutsche bereits glücklich, wenn sie ihr Auto nur sehen, von Spazierfahrten ganz zu schweigen. Auch ich bin Fan von abendlichen Spazierfahrten mit dem Auto. Es gibt keine bessere Möglichkeit aufgedrehte Kinder einzuschläfern.


Nun zur Beziehung der Inder zu ihren Autos. Diese scheint nicht ganz so emotional zu sein. Was ich aus zwei Erlebnissen schlussfolgere.

Wir waren mit unserem Jüngsten zu Besuch bei seinem Kindergartenfreund und unterhielten uns auf dem Balkon mit den Eltern. Dabei war die Straße gut einsehbar. Dort beobachtete ich wie einer der allgegenwärtigen Strassenhunde zuerst vorne auf die Motorhaube eines Autos sprang und dann auf‘s Dach, um sich in der Sonne aufzuwärmen.

Bemerkenswert war dabei, dass das offensichtlich keinen der vorbeilaufenden Passanten irritierte. Niemand schaute überrascht oder schien den Hund überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Nur ich fand das so kurios, dass ich davon ein Foto machen musste.


Die zweite Beobachtung machte ich auf dem Heimweg von der Schule. Wir standen gerade an einer roten Ampel und warteten auf grün. Auf der Spur neben uns hörte ich plötzlich ein dumpfes Aufprallgeräusch. Ein Uber war auf das Privatauto vor ihm gestoßen. Der Fahrer des Privatautos stieg aus und ging zum Uber, wo er den Fahrer darauf aufmerksam machte, dass er auf seiner Stoßstange hing. Das Uber setzte zurück. Man sah zwei kleine Dellen in der hinteren Stoßstange. Der Fahrer des angefahrenen Autos stieg wieder ein. Die Ampel schlug auf grün um und alle fuhren einfach los. Das war‘s!


Keine aufgebrachten Emotionen, keine Beschuldigungen, keine Beweisfotos, kein Austausch der Versicherung und keine Polizei. Offensichtlich wird so ein kleiner Schaden einfach hingenommen. Wahrscheinlich wird das nicht mal repariert. Die meisten Autos hier haben diverse kleine Kratzer und Dellen. Ich finde das sehr angenehm. Wie oft hab ich mich in Deutschland über die lackierte Stoßstange geärgert. Was macht das für einen Sinn, eine Stoßstange zu lackieren, wenn sie dadurch ihre Funktion als Stoßstange einbüßt, weil man sie regelmäßig wegen Gebrauchsspuren für hunderte von Euro neu lackieren lassen muss.

Gerade hier, wo im Verkehr so nah aufgefahren wird und Hunde oder Affen die parkenden Autos als Aufenthaltsorte benutzen, wäre das eine ziemliche Ressourcenverschwendung.


Nie hätte ich damit gerechnet, dass in einer Millionenstadt so viele Tiere um einen herum leben. Da braucht man entweder Gelassenheit oder man besorgt sich eine Lösung beim entsprechenden Anbieter:).

Momentan kann ich noch gelassen sein, weil wir noch kein eigenes Auto hier besitzen. Mal sehn, ob sich meine Haltung dazu ändert, wenn wir uns eins gekauft haben. Bis dahin kann ich mich ja noch in Gelassenheit üben.






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