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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Die Kunst in Delhi Fische zu kultivieren


Eigentlich sollte man nicht meinen, dass es in Delhi schwieriger ist, Fische zu halten, als irgendwo anders auf der Welt. Schließlich werden die Zierfische ja immer im Aquarium gehalten. Dort schafft man ihnen einen künstlichen Lebensraum, der auf ihre Bedürfnisse angepasst ist. Die Temperatur wird mit einem Heizstab geregelt und das Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Soweit die Theorie.


Da es in Delhi alles gibt, gibt es auch Aquarienshops. Dort kann man sich für übersichtliches Geld ein Aquarium nach eigenen Wünschen bauen lassen und auch das Equipment besorgen, nebst der Fische. Das Aquarium wird geliefert und den Einrichtungsservice gibt es für eine Handvoll Rupien dazu. Alles ist also wie immer sehr serviceorientiert.

Als Bewohner haben wir uns Black Mollys ausgesucht. Diese haben den Vorteil, dass sie robust sind und sich auch noch als Lebendgebärende unproblematisch vermehren. Das ist zumindest meine Hoffnung. Die Fische ziehen ins Zimmer meines Sohnes, der sie sich gewünscht hat.

Doch kaum sind die Fische eingezogen, sterben schockierenderweise bereits nach einer Nacht zwei Drittel. Die anderen wenigen Verbliebenen sind am nächsten Tag auch Tod, sodass wir nach zwei Tagen keinen einzigen Fisch mehr im Aquarium haben.

Da der Aquarium Shop hier in Delhi natürlich nicht deutschen Ansprüchen genügt, komme ich zu dem Schluss, dass es besser ist, die Fische nächstes Mal selbst auszusuchen. Also besuche ich den Shop erneut und mache meinem Unmut Luft. Der Besitzer schaut erst überrascht und meint dann mit ungerührter Miene, dass das schon passieren könnte. Ich kaufe abermals 10 Fische. Dieses Mal wähle ich sie aber selbst aus.

Wieder sterben die Fische einer nach dem anderen Weg und nach 2 Tagen sind nur noch zwei übrig. Es ist ein Trauerspiel.

Mein Mann und ich sind entsetzt über das große Fischsterben, das wir auf die Wasserqualität zurückführen.

Als Biologin und Tochter eines Aquarianers kann ich das nicht auf mir sitzen lassen. Daher kaufe ich ein Testkit für das Aquarium, um die Wasserqualität zu prüfen. Das Leitungswasser zeigt einen minimalen Gehalt an Chlor an. Chlor ist für Fische giftig. Wahrscheinlich war das also der Grund für das Fischsterben.

Vom Aquarienhändler haben wir ein Fläschchen zur Wasseraufbereitung bekommen. Dies soll Chlorionen neutralisieren und Schwermetalle binden. Nach Zugabe des Präparats verbessert sich die Wasserqualität so, dass die beiden letzten verbliebenen Fische nicht nur überleben, sondern sogar Nachwuchs bekommen.


Was erst ein Anlass zur Freude ist, entpuppt sich bald als nächstes Drama. Denn auch die kleinen Babyfische sterben nach und nach weg, wie bei dem Lied über die zehn kleinen Negerlein wird es jeden Tag einer weniger. Die Wasserqualität scheint damit immer noch nicht den Ansprüchen der Fische zu genügen. Mittlerweile habe ich ein schrecklich schlechtes Gewissen, da ich ja das Fischsterben zu verschulden habe. Mal ganz abgesehen davon, dass das bestimmt ganz schlecht für mein Karma ist.


Auf einem netten Get-togerher klage ich mein Leid und erfahre, dass Mineralwasser wohl die Lösung für mein Problem ist. Es erscheint mir schon ziemlich dekadent den Fischen Mineralwasser zu geben, aber in Ermangelung einer besseren Option, nehme ich diese Dekadenz in Kauf.

Das Mineralwasser kann man hier zum Glück in großen Gallonen kaufen, wodurch es durch den Mengenrabatt günstiger wird. Trotzdem kostet jeder Wasserwechsel für die Fische jetzt 4 Euro. Seit wir den Fischen das gute Catch Mineralwasser eingefüllt haben, geht es ihnen tatsächlich viel besser. Das elende Sterben ist vorbei und der Nachwuchs häuft sich erfreulich an.


Jetzt stehen die Sommerferien an und unser mehrwöchiger Heimaturlaub rückt näher. Ich habe den mühsam gepäppelten Fischen Ferienfutter bestellt und unsere Maid wird das Wasser nachfüllen. Sorgen mache ich mir jetzt nur noch über die Temperatur. Black Mollys bevorzugen 28 bis 30 Grad Celsius und sind nicht besonders tolerant über größere Abweichungen. Schließlich kommen sie aus dem Amazonas und da ist die Wassertemperatur relativ konstant. Hier in Indien ist es zurzeit aber immer noch sehr heiß und selbst nach Einsetzen des Monsuns, wird die Temperatur draußen zwischen 35 und 40 Grad Celsius liegen. Wird die Wohnung nicht klimatisiert, heizt sie sich schnell auf die Außentemperatur auf und das ist definitiv zu warm für die Fische. Also werden wir zum Leidwesen meines Mannes zumindest das Zimmer mit dem Aquarium weiter klimatisieren müssen, wenn die Fische überleben sollen.

Was das wohl dann kostet?


Delhi ist schon irgendwie ein lebensfeindlicher Ort. Die Temperaturen sind viel zu heiß, das Wasser zu schmutzig und die Luft zu schlecht. Nur mit großen technischen Ressourcen wie Klimaanlage, Wasserfilter und Luftfilter wird es ein angenehmer Ort. Das scheint auf die Menschen und auf die Zierfische zuzutreffen.



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