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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Gleich und gleich

Die Maler waren mal wieder in unserem Appartement, um einige Wände auszubessern.

Das läuft dann folgendermaßen: wir besprechen erst mit unserem Hausverwalter, welche Wände zu streichen sind, der bestellt dann einen Maler. Der Maler kommt in Form von zwei Personen. Einer in normaler Kleidung ohne Farbspritzer und dem eigentlichen Maler, den man zweifellos an seinen über und über farbbespritzer Kleidung und Armen erkennt.

Die Funktion der Person in normaler Kleidung ist etwas unklar und dient glaube ich der Koordination und Kommunikation zwischen Maler und uns. Denn der Maler spricht natürlich nur Hindi. Meistens sitzt der Koordinator aber unten bei unserem Fahrer und den Guards und schaut YouTube Videos.


Unser Appartement ist in einem Farbton zwischen Creme und Beige gehalten. Das gefällt mir sehr gut und als der Maler in weiß drüberpinselt, weise ich ihn darauf hin, dass ich gerne die Originalfarbe des Appartements behalten möchte. Also fängt er an in seinem weißen Farbeimer die Farbe per Hand abzumischen. Sein zweiter Versuch ist immer noch viel zu weiß. Ich betone nochmal, dass ich die Originalfarbe des Appartements möchte, habe aber langsam das Gefühl, dass weder er noch der Hausverwalter wissen, was das für eine Farbe war. Sein dritter Versuch ist dann leicht gelb und ich teile ihm wieder mit, dass das nicht die richtige Farbe ist. Er trägt etwas davon auf der Originalwand auf und der Unterschied ist offensichtlich. Also mischt und rührt er wieder. Beim 4. Versuch meint er nach dem Auftragen "Same!". Tatsächlich ist es aber immer noch viel zu hell. Ich stimme nicht zu und der Koordinator versucht mich zu überzeugen, indem er meint, wenn die Farbe getrocknet wäre, würde sie gleich aussehen. Da ich aber in Deutschland schon oft selber gestrichen habe weiß ich, dass die Farbe durch das Trocknen heller und nicht dunkler wird. Somit bestehe ich weiter darauf, dass der Farbton noch dunkler sein muss, um den Orginalfarbton zu erreichen. Also mischt und rührt er erneut. Er ruft mich erneut. Die Farbe gleicht sich der Wandfarbe zwar immer mehr an, aber von gleich kann man meines Erachtens immer noch nicht reden. Wieder sage ich, dass es zu hell ist. Diesmal versucht mich der Hausverwalter zu überzeugen, dass ich nur 10-20 Minuten warten müsste. Als das nicht fruchtet, meint er ich solle von der Seite auf die Farbstelle an der Wand schauen, dann würde ich sehen, dass es gleich wäre. Das kommt mir jetzt doch sehr abstrus vor und ich erkläre, dass es aber auch gleich sein soll, wenn ich frontal draufschaue. Langsam wirken alle drei, Hausverwalter, Koordinator und Maler, etwas verzweifelt, weil ich nach zwei Stunden Farbgemische immer noch unzufrieden bin. Sie stehen zu dritt vor der Orginalwand und der aufgetragenen Farbprobe und diskutieren auf Hindi.

Ich habe das Gefühl, dass ich ihnen rückmelden müsste, dass sich die Farbe ja immer mehr annähert also lobe ich ihn jetzt und meine, dass der Farbton ja nun schon fast identisch sei und nur noch ein bisschen dunkler sein müsste.

Der nächste Versuch ist tatsächlich nur noch eine Nuance heller und mein Mann meint, ich solle es jetzt gut sein lassen, schließlich will er die Maler heute nicht den ganzen Tag in der Wohnung haben. Zur Erleichterung aller gebe ich also endlich grünes Licht und der Maler beginnt mit seiner eigentlichen Arbeit.


Ich frage mich, ob sie den Farbunterschied nicht sehen wollten oder tatsächlich nicht wahrgenommen haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Inder häufig nicht diese Genauigkeit an den Tag legen, die man in Deutschland gewöhnt ist.

Zumindest lässt sich feststellen, dass ich und viele Inder nicht dieselbe Definition von "gleich" haben.


Mit unserem Fahrer hatte ich ein ähnliches Erlebnis. Wir sind an einem mobilen Blumenverkaufswagen vorbeikommen. Dort gab es Blumen, die ich gern gekauft hätte. Unser Fahrer meinte aber, dass der Stand zu teuer sei und er uns zu einem anderen bringen würde. Nicht gerade begeistert, habe ich extra nachgefragt, ob es dort auch die gleichen Pflanzen geben würde, was mir unser Fahrer bestätigte. Als wir an dem anderen Verkaufsstand ankamen, musste ich mit Enttäuschung feststellen, dass es eben nicht die gleichen Pflanzen gab.

Ein zweites Mal hatte ich ihn losgeschickt, eine bestimmte Pflanze zu besorgen, von der ich ihm das Bild geschickt hatte. Er aber bringt eine andere und meint das wäre die, die ich wollte, obwohl sie offensichtlich ganz andere Blätter hatte.

Kürzlich hab ich ihn losgeschickt, um Lauch zu kaufen. Vorher hab ich ihm wieder ein Bild geschickt und das Wort sogar auf Hindi übersetzt. Er kommt mit Lauchzwiebeln zurück und meint das wäre das Gleiche. Ich gebe zu, dass Lauch in Indien eher unüblich ist, trotzdem sieht Lauch doch wirklich anders aus als Lauchzwiebeln. Aber vielleicht ist das wieder das Phänomen, dass Inder ein Problem damit haben "Nein" zu sagen oder einem eben nicht helfen zu können. Daher bringt unser Fahrer dann eben das, was dem noch am nächsten kommt, damit er seinen Auftrag auch erfüllt hat.



Lauch und Pflanzen werde ich also in Zukunft selber einkaufen. Sicher ist sicher.

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