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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Im Tattoostudio

Auch wenn ich schon länger mit dem Gedanken einer Tätowierung gespielt habe, konnte ich mich doch nie abschließend dazu durchringen. Immerhin ist das ganze ja mit einer gewissen Endgültigkeit verbunden. Auch wenn es heute prinzipiell die Möglichkeit des Weglaserns gibt, ist das ja keine Prozedur, der man sich so gerne unterzieht.

Letztlich war es wohl der Spruch einer guten Freundin, der mir den Entschluß leicht gemacht hat. Ihre Worte waren: "Ich habe Kinder, geh nicht mehr weg. Stattdessen aber jeden Abend um 10 ins Bett, da kann ich wenigstens mit einem Tattoo verwegen sein." Ich gebe zu, dass sich das nach Midlifecrisis anhört. Aber mit Mitte vierzig hat man tatsächlich einschneidende Veränderungen im Leben, wie der Auszug meiner großen Tochter. Das hat in mir das Bedürfnis ausgelöst, den Veränderungen in meinem Leben ein Zeichen zu setzen.

Die bereits erwähnte Freundin hat mir auch gleich das Tattoostudio mit dem klangvollen Namen "Devilztattooz" empfohlen.

Ich stelle mir ein etwas runtergekommenes Etablissement vor, mit wilder Musik, haufenweise über und über tätowierte Rocker mit langen Haaren und Bärten und Totenköpfen an der Wand.

Ich habe meinen Termin mit "Angel" am 10.10 um 1 Uhr, was ich als positives Omen nehme.

Etwas unsicher was mich wohl erwartet, steige ich die Stufen in den ersten Stock zum Devilztattoz nach oben. Ich betrete das Studio und meine Befürchtungen werden so gar nicht erfüllt. Ich stehe vor einem Empfangstresen, hinter dem eine völlig untätowierte sehr freundliche Inderin mich begrüßt. Vorne im Empfangsbereich befindet sich eine gemütliche Couchecke, auf der ich Platz nehmen soll. Gleich wird mir der obligatorische Chai angeboten, den ich gerne annehme. Während ich meinen heißen, würzigen, süßen Tee schlürfe, lasse ich den Blick schweifen. Der größte Teil des großen Raums ist mit gemütlichen Liegen ausgestattet, die in regelmäßigen Abständen vor einzelnen Nischen stehen, in denen die Tattookünstler arbeiten. Die Wände sind mit Bildern von Tattoos behangen, auf denen tatsächlich überproportional viele Totenköpfe abgebildet sind. Die Musik erinnert an eine stylische Strandbar und das Ambiente entspricht so gar nicht dem meiner Vorstellung. Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, dass das auch das erste Tattoostudio ist, das ich überhaupt betrete.

Neben mir ist ein junges, wohlhabendes indisches Pärchen vor Ort, eine wohlhabende, ältere Inderin im Sari mit ihren Freundinnen und ein anderer Wessi, der bereits mehrere Tattoos besitzt. Hier in Indien scheinen Tattoos demnach etwas für die Wohlhabenden zu sein.


Angel kommt mit ihrem IPad auf mich zu. Sie sieht so gar nicht indisch aus und trägt ein gestreiftes Oberteil und eine hellen Hose. Ich droppe ihr mein Wunschtattoo, das den keltischen Knoten der Mutterschaft darstellt. Sie nimmt kleine Änderungen vor, druckt das Symbol aus und klebt es mir innen auf das rechte Handgelenk. Das ganze dauert wenige Minuten und schon sitze ich auf der Liege, wo sie ihr Werkzeug vorbereitet. Bei dem Anblick der Tattoonadeln wird mir dann doch etwas mulmig zumute. Da es mein erstes Tattoo ist, habe ich keine Ahnung von dem, was mich erwartet. Angel nimmt meine Hand und fragt, ob es losgehen könne. Ich beiße die Zähne zusammen, damit ich nicht durch ein unwillkürliches Wegzucken mein eigenes Tattoo zerstöre. Das Summen der Nadel beginnt und ich wappne mich für den Schmerz. Der ist aber gar nicht schlimm und fühlt sich eher so an, als würde man stark gekratzt werden. So sitze ich bald entspannt auf der Liege und beobachte fasziniert wie Angel die Linien des Tattoostickers nachfährt und mit dunkler Farbe füllt.


Nach etwa einer Stunde bin ich dann tatsächlich Besitzerin eines Tattoos. Ich werde noch in die nachfolgende Pflege eingewiesen, die im Wesentlichen aus Einfetten besteht und schon bin ich auf dem Weg nach Hause.

Das Ganze war lange nicht so wild wie vermutet. Mich mit Tattoo finde ich aber ganz schön wild.😜


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