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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Interkulturelle Einblicke

Viele unserer Freunde, aus der deutschen Expat-Gemeinde sind an der deutschen Botschaft tätig. Die Ehen von Menschen im diplomatischen Dienst sind häufig interkulturell. Das liegt wohl daran, dass die meisten ihre Ehepartner auf ihrem ersten Auslandsposten kennenlernen. So auch unsere besten Freunde. Sie war im diplomatischen Dienst in Griechenland und hat dort ihren Ehemann kennengelernt. Interessanterweise ist er aber kein Grieche, obwohl er sich sehr mit der griechischen Mentalität identifiziert, sondern Albaner. Sein Vater und später seine ganze Familie sind nach Griechenland ausgewandert.

Weil wir viel Zeit zusammen verbringen, hat uns dies einige Einblicke in die kulturellen Unterschiede ermöglicht, von denen ich ein paar näher beschreiben möchte.


Als die beiden nach ihrer Hochzeit in Deutschland gelebt haben, hat er in einer Autowerkstatt als KFZ-Mechaniker gearbeitet.

Zu Beginn des neuen Kalenderjahres hat sein Chef einen Jahreskalender aufgehängt, in den jeder Mitarbeiter sein gewünschtes Urlaubszeitfenster eintragen sollten. Mit diesem Konzept war Tarik völlig überfordert. Urlaub ein halbes Jahr im Voraus zu planen, erschien ihm völlig abwegig. Er hat uns das folgendermaßen beschrieben. In Albanien wacht man auf, prüft ob man noch lebt und gesund ist, dankt Gott dafür und entscheidet dann spontan, je nachdem wie man sich fühlt, ob man wegfährt oder nicht. Wie soll er also Monate vorher wissen, wie sich dies verhält?Das ist unmöglich und damit ist auch die Urlaubsplanung im Vorfeld unmöglich.

Planungen gemeinsamer Urlaube mit den beiden, sind daher etwas schwierig. Seine Frau trägt das mit bemerkenswerter Gelassenheit und hat sich damit abgefunden, dass sie wohl nicht in den Genuss eines Frühbucherrabatts kommen wird.


Die Post, war ein weiterer Faktor, den Tarik in Deutschland extrem stressig fand. Das hat mich doch irritiert, weil ich eigentlich meist voller Neugier den Postkasten öffne. Für ihn war die Post so belastend, da diese nur aus Rechnungen besteht und die Bezahlung von Rechnungen Tarik fast körperliche Schmerzen zufügt. Ich hab' dann nachgefragt, ob in Griechenland denn keine Rechnungen per Post kommen. Daraufhin meinte er: "Doch, aber das würde niemanden interessieren." Genauso wie deren Bezahlung eben auch ignoriert wird.

Ich frage mich, wie die Begleichungen der Rechnungen dann gesichert wird. Aber so sicher scheint das Ganze auch nicht zu sein. Steuern muss man wohl auch nicht unbedingt bezahlen, wenn es eben gerade nicht geht.

Das erklärt auch, warum jeder Grieche zwei Häuser, ein Stadthaus und ein Ferienhaus am Meer, besitzt.

Das wäre in Deutschland unvorstellbar, sowohl das mit den zwei Häusern als auch die Steuerbezahlungsmentalität.


(Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte wurde ein Pseudonym gewählt.)




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