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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Tigerspuren im Jim Corbett Nationalpark

Es ist dunkel und wir verlassen unsere Hütte vor dem Morgengrauen in gespannter Erwartung. Der Dschungel ist still. Die Stille wird nur vom Tropfen des Morgentaus durchbrochen. Unser Guide erwartet uns bereits und wir klettern in den offenen Jeep. Der Wind braust frisch um unsere Ohren auf der kurzen Fahrt zum Eingang des Nationalparks. Dort sind wir natürlich nicht die Einzigen, die in der Hoffnung einen Tiger zu erspähen, um 5 Uhr aus dem warmen Bett gekrochen sind. Vor uns warten bereits mehrere Jeeps auf die Prüfung ihrer Zutrittserlaubnis. Endlich sind auch unsere Unterlagen geprüft und wir fahren in den Park ein.

Der grüne Urwald umfängt uns mit seinem erdigen Duft. Der Jeep fährt langsam und unser Guide sucht in dem sandigen Grund nach Spuren. Kaum ein Vogel ist zu hören. Das erste Lebenzeichen eines großen Tieres ist die Hinterlassenschaft eines Elefanten auf unserem Track. Dann entdeckt unser Guide frische Tigerspuren im Sand. Aber von dem Tiger selbst ist keine Spur zu sehen. Ich versuche vergebens in dem grünen Dickicht etwas auszumachen. Langsam schaukelt der Jeep weiter. Ab und zu treffen wir auf unserer Runde einen anderen Jeep und die Guides tauschen sich kurz aus. Am Kopfschütteln des anderen Guides erkenne ich, dass auch hier kein Tiger gesichtet wurde. Der Guide erzählt uns, dass man die Anwesenheit großer Raubkatzen meist über die Warnlaute der Beutetiere erfährt. Die Hirsche schlagen klopfend ihre Hufe auf den Grund und die Lemuren in den Bäumen geben dann durchdringende Warnrufe von sich. Aber so sehr wir auch lauschen, der Wald bleibt still.

Wir erspähen verschiedene Hirscharten, mehrere Axishirsche und einzelne Sambahirsche, die uns aufmerksam beobachten. Sogar eine kleine Rotte Wildschweine können wir beobachten. Also eigentlich der ideale Platz für einen Tiger, bei so viel Beutetieren. Aber wahrscheinlich ist genau das das Problem. Es gibt so viel Beute, dass der Tiger leichtes Spiel hat und den Rest der Nacht mit Schlafen verbringen kann.

Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und scheint warm durch die lichten Baumkronen. Ich genieße die unberührte Natur und hake die Tigersichtung geistig ab. Von dem Geschaukel im Jeep tut mir langsam der Hintern weh und so bin ich ganz froh, als die Safaritour ihr Ende findet und wir zum Resort zurückkehren.


Bereits vorher war mir klar, dass eine Tigersichtung ein unwahrscheinliches Ereignis ist. Daher begeben wir uns nach einer kurzen Pause wieder in einen Jeep für die zweite Safari. Diesmal ist es früher Nachmittag als wir in den Park einfahren. Der Wald ist still, kein Tier ist zu sehen. Wir schaukeln im Jeep über den unebenen Waldweg und sehen nicht mal Hirsche. Ein paar Vögel sind zu hören zu sehen, aber sonst ist der Wald wie ausgestorben. Nach der Hälfte der Tour bin ich müde, weil wir so früh aufgestanden sind. Zum Glück gibt es eine Teepause. Gerade als wir wieder losfahren, kommt uns ein anderer Jeep entgegen. Der Guide signalisiert mit Handzeichen, dass er ein Tier gesehen hat. Unser Guide ist auf einmal sehr aufgeregt. Er fordert uns auf, die Kameras bereitzuhalten, es wurde wohl ein Tiger gesichtet.

Der Jeep fährt eilig ein Stück des Weges zurück, den wir gekommen sind. Unser Guide weist uns an, ruhig zu sein. An dem kleinen Weiher vor uns stehen mindestens 10 andere Jeeps. Die Leute stehen in den Autos und starren auf das undurchdringliche Buschwerk vor ihnen. Ich stelle mich ebenfalls auf die Sitzbank, um besser sehen zu können, kann aber nichts entdecken. Mit den vielen rangierenden Autos und den aufgeregten lauten Indern, ist der Tiger bestimmt schon weg. Plötzlich sehe ich etwas großes gestreiftes, das sich im Buschwerk bewegt. Es ist der Tiger. Er betritt eine freie Grasfläche und schreitet gemächlich und völlig unbeeindruckt von den enthusiastischen Menschen an uns vorüber, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen. Was für ein Anblick! Ich kann es kaum fassen, dass wir tatsächlich einen Tiger in freier Wildbahn hautnah sehen. Ich bin völlig hingerissen und der Anblick der majestätischen Kreatur fesselt mich völlig, während mein Mann hektisch mit Kamera und IPhone Fotos macht. Nach ein paar Sekunden verschwindet der Tiger im Dschungel auf der anderen Seite der Lichtung. Wir beobachten die Stelle, an der er verschwunden ist noch eine Weile, aber der Wald ist genauso still wie zuvor. So als würde sämtliches Leben den Atem anhalten, wenn dieses beeindruckende Raubtier durch das Unterholz schleicht.

Glückselig sitze ich im Auto und der Jeep schaukelt uns langsam zurück. Wir verlassen den Park als die Dämmerung hereinbricht und machen uns auf den Heimweg zu unserem Dschungelresort. Neckend fragt mich unser Guide, was ich denn mehr hätte sehen wollen. Im Geiste stimme ich ihm zu, etwas beeindruckenderes als den Tiger hätte ich nicht sehen können.

Trotzdem ist mein Safarihunger noch nicht restlos gestillt. Es gibt immer noch einige Tiere, die ich gerne in freier Wildbahn sehen würde, wie Nashörner, Elefanten (etwas näher als letztes Mal), Löwen und Krokodile. Somit war dies bestimmt nicht unsere letzte Safari und hoffe, dass wir nächstes Mal genauso viel Glück haben.


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