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  • AutorenbildKerstin Tscherpel

Umzug auf indisch

In Indien umzuziehen hat den Vorteil, dass man sich einen Umzugsservice leisten kann. Die Aussicht nicht selbst alles einpacken und schleppen zu müssen, lässt mich voller Freude dem Umzug entgegen sehen.


Wir holen die Angebote von drei Umzugsfirmen ein. Die ersten beiden sind Empfehlungen der deutschen Botschaft. Beide kommen mit Block und Stift und notieren wichtig alles mögliche, als mein Mann sie durch unsere Wohnung führt. Der dritte Anbieter ist eine Empfehlung unseres Maklers. Er spricht kaum Englisch und hat als Unterstützung seinen mäßig englischsprechenden Sohn dabei. Er notiert sich nichts, schaut sich etwas um und stellt dann eine Summe in den Raum, die deutlich günstiger ist, als bei den beiden anderen Anbietern. Notizen zu machen, scheint den Preis deutlich in die Höhe zu treiben. Wir besprechen uns mit unseren Freunden, welcher der drei Anbieter wohl die beste Wahl ist. Unser Freund bringt es schließlich auf den Punkt mit der Aussage, dass letztlich sowieso die gleichen indischen Arbeiter kommen, um unseren Hausstand einzupacken. Also entscheiden wir uns für den Günstigsten, auch wenn er sich keine wichtigen Notizen gemacht hat.


Am Tag des Umzugs fallen morgens 6 indische Packer bei uns ein. Sie beginnen Zimmer für Zimmer emsig in Noppenfolie und Kartons zu verpacken. Mein Mann hat sich ein cleveres System ausgedacht, indem er die Zimmer in unserer alten und in unserer neuen Wohnung durchnummeriert hat. Die Kisten aus Raum 1 sollen also wieder in Raum 1 der neuen Wohnung usw. Er hat sogar Fotos von unseren Möbelstücken gemacht und diese in der neuen Wohnung genau an die Stelle gehängt, an der das Möbel stehen soll. Offensichtlich hat er ein Problem damit, Kontrolle abzugeben oder er traut den Indern nicht so viel Organisationstalent zu. So fällt es ihm nachher auch schwer, die Wohnung zu verlassen damit die Dinge ihren Lauf nehmen. Wir residieren während der drei Umzugstage im Hyatt und ich genieße es, dass ich nicht im unwirtlichen Kistenchaos schlafen muss.


Am zweiten Tag erwarten wir in unserem neuen Appartement die erste Lastwagenlieferung unseres Hausstands. Dieser hat sich in den 2,5 Jahren schon wieder unkontrolliert aufgebläht, obwohl wir damals nur mit einer Handvoll Koffer und einigen Kisten in Indien eingereist sind.

Endlich kommt der erste Lastwagen an und portionsweise werden Kisten und verpackte Möbelstücke in unser Appartement getragen. Obwohl die Kisten korrekt nummeriert sind, fragen die indischen Packer bei jeder Kiste, wo diese hin soll, als wäre es nicht klar, dass Kisten mit der Nummer 1 in den Raum mit der Nummer 1 müssten. Wir zweifeln schon an der Intelligenz der Packer bis mir aufgeht, dass diese sicher keine arabischen Ziffern lesen können, wenn sie nicht mal Englisch sprechen. So ausgeklügelt unser System auch war, scheitert es doch daran, dass wir völlig missachtet haben, das die meisten Menschen in Indien eben Hindi sprechen und diese Sprache ja auch völlig andere Schriftzeichen hat, was die Zahlen einschließt.

Zum Glück ist die Tochter des Packunternehmers da, die gut Englisch spricht, unser System versteht und die Packer bei jeder Kiste ins richtige Zimmer weist.

Auch das System mit den Möbelfotos an der Wand wird einfach missachtet und mit Kisten zugestellt, so dass wir doch wieder bei jedem Möbelstück sagen müssen, wo wir es gerne hingestellt hätten.


Am dritten Tag stehen die Möbel endlich an den korrekten Positionen und in jedem Zimmer befindet sich ein Berg unausgepackter Umzugskisten. Ich frage mich, ob die Packer die Kisten auch wieder auspacken. Dabei bin ich mir aber nicht sicher, ob ich das überhaupt will. So könnte ich das Einräumen zum Ausmisten nutzen, was dringend nötig wäre. Andererseits graut mich vor der Arbeit und der 1000 Entscheidungen, die ich dann dabei treffen muss. Ich fühl mich schon geburnoutet wenn ich nur daran denke. Am Ende des dritten Tages sind unsere Pflanzen auf der Dachterrasse angekommen und das ganze Umzugsteam zieht ab und lässt uns samt unserer unausgepackten Kisten zurück. Ich nehme das als Schicksalswink und beginne resigniert mit dem Auspacken. Zum Glück habe ich ein Foto von meinem Bücherregal gemacht. Damit fällt mir das Einräumen dieses Regals leicht und fordert mir nicht so viele Entscheidungen ab.

Der Kleiderschrank wird dafür umso schlimmer werden. Faszinierend ist, was sich beim Kisten ausräumen alles findet. Da wird man sich seines ganzen Besitzes wieder bewusst und jedesmal frage ich mich, ob man das Alles wirklich braucht.


Entgegen aller Befürchtungen hat sich das Umzugsunternehmen bewährt. Es ist nichts kaputt gegangen, was bei den Unmengen Noppenfolie, die verwendet wurden, auch kaum möglich war. Außerdem haben wir uns eine Menge Arbeit gespart, so dass wir innerhalb weniger Tage schon wieder zum Großteil eingerichtet sind. Das Beste ist, dass unsere neue Wohnung deutlich größer ist als unsere Alte und ich damit wieder die Möglichkeit habe, Möbel einkaufen zu gehen. Auf meiner Einkaufsliste stehen ein großer Teppich für den riesigen Flur, ein Sideboard und noch das eine oder andere Schränkchen. Ich freue mich schon darauf in unseren Lieblingsmöbelgeschäften zu stöbern. Aber davon berichte ich dann nächstes Mal ausführlicher.


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